Muay-Thai / Thaiboxen


 Muay Thai, auch als Thai-Boxen bekannt, ist in Thailand Nationalsport. Diese Kampfkunst wird täglich in sportlichen Wettkämpfen in den zahlreichen Kampfstadien Thailands praktiziert. Vor dem Beginn eines Boxkampfs zeigen die Boxer eine tanzähnliche Zeremonie, die wie auch der ganze Kampf, mit Musik begleitet wird. Durch diese Musik und durch die Rufe der fanatischen Anhänger und der wettenden Zuschauer entsteht eine außergewöhnliche Atmosphäre.

Die Kämpfe werden mit Füßen, Schienbeinen, Fäusten, Ellbogen und den Knien ausgetragen und unterliegen einer strengen Reglementierung. Als Schutz verwenden die Sportler Boxhandschuhe, Tief- und Mundschutz. Im Amateur-Bereich wird umfangreichere Schutzausrüstung getragen.

Die Effektivität dieser Kampfkunst beweist sich dadurch, dass immer wieder Meister der verschiedensten Kampfkunststile nach Thailand reisen und bei Vergleichskämpfen frühzeitig aufgeben.

Thai-Boxer werden immer wieder mit Vorurteilen und Missverständnissen bezüglich ihres Sports konfrontiert. Das liegt wahrscheinlich an der ungenügenden Information über diese Kampfkunst, aber auch an dem Missbrauch, der mit dieser Sportart getrieben wurde.

Oft mischten Kampfsportlehrer anderer Stile ihre Kampfkunst mit den nach ihrer Meinung typischen Muay-Thai-Elementen und boten dann einen neuen Kurs in ihrem Verein an. Es gab aber auch Thailänder oder Asiaten benachbarter Länder, die die Möglichkeit sahen, durch das Unterrichten dieser noch recht unbekannten Kampfkunst zu Geld zu kommen. Nicht selten jedoch hatten diese keine fundierte Ausbildung in dem Sport, den sie nun unterrichteten, sodass eine Trainingsform entstand, die vielen als gewalttätig erschien und die offenbar ohne vernünftige Technikerklärung gelehrt wurde.

Auch in Thailand fiel auf, dass andere Kampfsportarten immer mehr Elemente des Muay Thai übernahmen, das Thai-Boxen jedoch weltweit einen wenig positiven Ruf genoss. So wurde von der Regierung eine Kampagne gestartet, um den wahren Sport bekannt zu machen.

Durch seine Bücher möchte der Autor zeigen, dass Muay Thai eine Kampfkunst ist, die aus einer Vielzahl von Techniken besteht, deren Effiziens im Gegensatz zu den Gepflogenheiten in vielen anderen Kampfsportarten täglich im Ring bewiesen wird.

Im Folgenden wird auf die am häufigsten vorgebrachten Fragen eingegangen.

1. Sind Muay Thai und Thai-Boxen die gleichen Sportarten?
Thai-Boxen ist der weltweit verbreitete Namen für Muay Thai. Als Muay Thai wird die Sportart in Thailand bezeichnet. Aufgrund des zweifelhaften Rufs, den das Thai-Boxen durch dubiose Lehrer im deutschsprachigen Raum erhalten hat, wird von Liebhabern dieses Sports nun häufig auch bei uns der Begriff Muay Thai bevorzugt.

2. Wird im Muay Thai mit Bandagen, Wachs und Glasscherben gekämpft?
Heutzutage wird mit Boxhandschuhen gekämpft. Ob Kämpfe in der hier angedeuteten Form wirklich stattgefunden haben, ist nicht überliefert. Es wird jedoch angenommen, dass die sportlichen Wettkämpfe mit Bandagen ausgeführt wurden, während Krieger sich durchaus auch mit Wachs spitze Gegenstände an den Bandagen befestigten.

3. Ist Muay Thai eine Untergrundsportart?
Viele thailändische Boxer stammen aus sehr ärmlichen Verhältnissen und versuchen, durch den Gewinn der Kampfbörse ihrer Familie eine bessere Existenz zu ermöglichen. Die schulische Ausbildung wird von ihnen frühzeitig abgebrochen.
Der Trainer hat dann die Aufgabe, den Schüler zu formen. Es gibt jedoch Gyms in Thailand, in denen Boxer unter schlechtesten Bedingungen leben und nur den erfolgreichen ein vernünftiges Leben ermöglicht wird. Um die wenig erfolgreichen Boxer kümmert sich dort niemand.
Dies ist aber nicht die Regel, und von der thailändischen Regierung werden Maßnahmen dagegen ergriffen. Bei allen Kämpfen wird gewettet, und viele Zuschauer bestreiten von den Wetteinnahmen ihren Lebensunterhalt. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Kampfausgänge beeinflusst werden, wie es ja auch im internationalen Boxen vorkommt.

Bei Frauen-Kämpfen ist das Wetten nicht so verbreitet, was die Atmosphäre positiv beeinflusst. Im deutschsprachigen Raum gingen vielfach Leute zum Training, um die gelernten Techniken dann auf der Straße zu festen. Ermöglicht wurde dies von Trainern, die diese Sportart weder studiert noch sich mit ihrer Tradition auseinander gesetzt hatten.
So konnten sie wichtige Werte, die diese Sportart vermittelt, wie beispielsweise den Respekt gegenüber dem Mitmenschen, nicht an die Schüler weitergeben. Die Sportart wird jedoch immer populärer, Missverständnisse und Vorurteile konnten ausgeräumt werden. So ist Muay Thai inzwischen zu einer Sportart für jedermann geworden und wird von Angehörigen aller gesellschaftlichen Schichten ausgeübt.

4. Tritt man im Muay-Thai-Training gegen Bäume?
In einigen Kampfsport-Spielfilmen wird das Thai-Box-Training an Bäumen gezeigt. So trainiert heutzutage jedoch niemand. Vor Jahrhunderten, als es die modernen Trainingsgeräte noch nicht gab, wurde diese Trainingsmethode an Bananenbäumen angewandt. Heute werden Sandsäcke benutzt, die zur Abhärtung entsprechend dem Trainingsfortschritt unterschiedlich hart gefüllt werden.

5. Ist Muay Thai reine Prügelei, ohne klare Techniken?
Muay Thai ist eine Kampfkunst, die seit Jahrhunderten trainiert und in Wettkämpfen getestet wird. So entstanden eine Vielzahl von mehr oder weniger bekannten Techniken.

Viele vor Jahrhunderten angewandte Techniken sind aus den verschiedensten Gründen in Vergessenheit geraten oder dürfen heute nicht mehr angewandt werden. Beispielsweise sind heute Würfe bei offiziellen Kämpfen verboten, und das Festhalten von Schlägen wurde durch den Einsatz von Boxhandschuhen erschwert.

6. Gibt es Regeln im Muay Thai?
Muay Thai ist ein stark reglementierter Sport. Generell lässt sich sagen, dass keine Techniken in die Genitalien, keine Kopfstöße und keine Stöße in die Augen erlaubt sind. Auch darf der stürzende oder auf dem Boden liegende Kämpfer nicht attackiert werden. Außerdem darf in Frauenkämpfen nicht mit dem Ellbogen zum Kopf gestoßen werden.

7. Kann man beim Training oder im Wettkampf ernsthaft verletzt werden?
Bei einer Kontaktsportart ist ein Verletzungsrisiko nie ganz auszuschließen. Das Training muss deshalb so gestaltet sein, dass man miteinander trainiert und nicht etwa versucht, sich gegenseitig zu verletzen. Im Gegensatz zu Ballsportarten wie Fußball sieht man beim Muay Thai immer, wenn einen der Gegner attackiert. Bei Wettkämpfen zwischen Personen mit ähnlichem sportlichem Niveau sind Verletzungen selten. Wenn Kämpfer mit unterschiedlichem Können oder ungenügend vorbereitet antreten, besteht jedoch ein erhöhtes Verletzungsrisiko. Attacken auf den Kopf des Gegners haben im Muay Thai nicht die Bedeutung, die ihnen im traditionellen Boxsport zukommt. So können die Thai-Boxer eine größere Zahl von Kämpfen bestreiten, ohne gravierende Verletzungen davonzutragen.

Die über 60-jährigen Boxer und ehemaligen Champions Niyom Ratanasit und Apideh Sit Hiran, die beide jeweils über 300 Kämpfe bestritten haben, betätigen sich noch heute sportlich und erzählen, dass sie noch ohne Verletzung sind. Sie sind davon überzeugt, dass ihr früher regelmäßig praktiziertes Muay-Thai-Training ihren Körper einzig und allein kräftigte und ihm in keinerlei Hinsicht Schaden zufügte.

8. Stammt Muay Thai vom Kickboxen ab?
Kickboxen ist eine Sportart, die im 20. Jahrhundert entstand. Muay -Thai ist dagegen eine jahrhundertealte Kampfform.

Das Kickboxen entwickelte sich in zwei unterschiedlichen Regionen: Zum einen in Nordamerika, indem die Regeln von Karate-Wettkämpfen geändert wurden, und zum anderen in Japan. Ein Japaner änderte die Regeln des Muay Thai (danach waren z.B. Ellbogen- und Knieeinsatz verboten) und begann Mitte dieses Jahrhunderts in Japan Schulen zu eröffnen und Wettkämpfe zu organisieren. Dies erklärt auch den Erfolg, den heutzutage die K1-Tuniere haben, die mit Muay-Thai-ähnlichen Regeln in japanischen Stadien vor über 60 000 Zuschauern stattfinden und im Fernsehen live übertragen werden.

9. Können nur sportliche Männer diese Sportart ausüben?
Im Bereich der Frauen hat Muay Thai weltweit die größten Zuwächse die größten Mitgliederzahlen. Frauenkämpfe gewinnen in Thailand immer größere Popularität, und die beiden im Buch abgebildeten Kämpferinnen sind bereits in Fernsehproduktionen und in mehreren Musik-Videos aufgetreten.

Körperliche Voraussetzungen sind für das Selbstverteidigungstraining keine gegeben. Wer hingegen an Wettkämpfen teilnehmen möchte, muss das Gewicht für die ihm entsprechende Gewichtsklasse bringen und die notwendige Fitness besitzen.

10. Können nur »kleine« Leute effektiv Muay-Thai-Techniken anwenden?
Häufig wird die Meinung vertreten, dass Muay Thai nichts für groß gewachsene Leute sei. Schließlich, so die irrige Schlussfolgerung, sei diese Kampfkunst von Thais entwickelt worden, und die seien eben von eher kleinerer Statur.

Die Sportart beinhaltet jedoch eine Vielzahl von Techniken, und nur für einige dieser Techniken ist beispielsweise die Gelenkigkeit entscheidend, über die kleinere Menschen in der Regel in höherem Maße verfügen als größere. (Dies gilt z.B. für Tritte an den Kopf.) Dagegen lassen sich Tritte an die Beine oder zum Körper wie auch die meisten anderen Techniken ohne besondere Gelenkigkeit ausführen.

Dass Muay Thai auch von groß gewachsenen Leuten erfolgreich ausgeübt werden kann, beweisen die vielen Kämpfer verschiedenster Nationen in der Schwergewichtsklasse, die immer wieder bei Vergleichen in Japan antreten und auf hohem sportlichen Niveau agieren.

11. Ist es nur in Thailand möglich, richtig Muay Thai zu erlernen?
Wenn der Trainer umfangreich ausgebildet wurde, kann das Training überall stattfinden. Mittlerweile gibt es im deutschsprachigen Raum Lehrer, die sich mit Muay Thai lange Zeit und intensiv beschäftigt hoben,

Es gibt jedoch viele angebliche Trainer, die ihre Tätigkeit auf Urlaubsfotos aus thailändischen Camps stützen. Deshalb ist es notwendig, die sportliche Ausbildung des potenziellen Trainers zu hinterfragen.

Eine Urlaubsreise nach Thailand, verbunden mit Trainingsteilnahme, steigert die eigene Leistung deutlich. Sie ist als Ergänzung zum Training zu Hause zu empfehlen.

12. Gibt es im Muay Thai traditionelle Überlieferungen?
Muay Thai ist eine seit Jahrhunderten überlieferte Sportart, sodass im Laufe der Zeit eine Vielzahl von Traditionen entstanden. Eine Bedeutende ist die Beziehung des Lehrers zum Schüler.

Durch das Muay Thai erlangt man einen körperlichen Vorteil gegenüber Untrainierten. Aufgabe des Trainers ist es zu vermitteln, dass der Schüler sein Umfeld respektvoll behandelt und Muay Thai, wenn notwendig, zum Wohle der Allgemeinheit einsetzt. Wer Muay Thai nur trainieren will, um eigene Interessen mit seiner körperlichen Überlegenheit durchzusetzen, dem sollte das Training verwehrt werden.

Schon vor langer Zeit betrachteten die Muay-Thai-Lehrer es als ihre Aufgabe, die ihnen anvertrauten Schüler zu respektvollen Menschen zu erziehen. Zahlreiche Schüler und Ehemalige versuchen, zumindest einige Male im weiteren Leben ihren damaligen Lehrer aufzusuchen. Auch alte und nicht mehr tätige Lehrer werden besucht und beschenkt.